Elektromobilität – vor 100 Jahren fing die Zukunft an.

IMG_20150628_145944Für  Sonntag, den 28.6.2015, hatten die Ländliche Erwachsenenbildung e.V. (LEB) und das Europäische Brotmuseum Ebergötzen zu einer Veranstaltung rund um Elektromobilität und ländliches Car-Sharing eingeladen. „Schon Oma Duck fuhr einen Detroit Electric“. Mit diesen Worten brachte Wilhelm Bruinjes vom Brotmuseum die historische Komponente von Elektromobilität zum Ausdruck. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts waren E-Autos in US-amerikanischen Städten sehr populär.

Im Mittelpunkt der Talkrunde am Nachmittag stand das ländliche Carsharing, ein Modell, das vom Projekt „e-mobilität vorleben“ derzeit auch im Bioenergiedorf Jühnde umgesetzt wird. Die Veranstalter hatten Sylvia Fahle aus dem Eifel-Ort Gey eingeladen, die von ihren Erfahrungen mit der Initiative Dorf-Auto Gey berichtete.  „Als wir das Projekt starteten, wollten wir Mobilitätsmöglichkeiten für Personen ohne Pkw schaffen, Kosten für teure Zweitwagen einsparen und einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten. Aus diesem Grund haben wir von Anfang an auf ein Elektro-Auto gesetzt“, formulierte die engagierte „Kümmererin“ Nach einer Testphase, die durch LEADER inhaltlich und finanziell gefördert wurde, konnte das Dorf-Auto Gey im Frühjahr in den „Regelbetrieb“ übernommen werden. Sieben Familien sind zurzeit registriert und nutzen gemeinsam dieses E-Auto, dessen Finanzierung nach der Testphase von der Initiative selbst organisiert worden ist. Um dies bewerkstelligen zu können, nahm sie Hilfe von außen in Anspruch. Eine seriöse Marketingfirma half bei der Sponsorensuche mit dem Resultat, dass der Wagen nun komplett über die Vermietung von Werbeflächen finanziert ist. Außerdem sehr hilfreich ist die Mitgliedschaft im Bundesverband Carsharing e.V., der insbesondere bei versicherungs- und haftungsrechtlichen Fragen zur Seite steht. Außerdem galt es, eine praktikable Unternehmensform zu finden. Insgesamt musste sich Frau Fahle nebenbei sehr viel Know How aneignen und wäre dankbar für eine diesbezügliche Schulung gewesen.

In der Talkrunde wurde nochmals betont, dass es wichtig ist auf die Seriosität der Firmen zu achten, mit denen man zusammenarbeitet. In diesem Zusammenhang hat es schon böse Überraschungen gegeben. Auf die Frage der Moderatorin, Ute Andres, was denn das Jühnder Carsharing-Projekt, das noch in der Entwicklung ist, vom Projekt Dorf-Auto Gey lernen könne, wies Herr Hanelt, von der Universität Göttingen insbesondere auf das Einwerben von Sponsoren hin. „Denn die Anschaffung eines E-Autos für gemeinsame Zwecke ist wegen der hohen Kosten eine Hürde, die nicht leicht zu nehmen ist.“ Die Möglichkeiten sind begrenzt: entweder über  Förder- oder Sponsorengelder oder aber über eine  Genossenschaft. Letzteres ist gerade für Gemeinschaftsprojekte eine attraktive Variante, die von den Geyer Akteuren allerdings wegen ihrer Schwerfälligkeit abgelehnt wurde. Hier hat man sich für eine „UG, haftungsbeschränkt“ entschieden, die es ermöglicht, mit wenig finanziellem und wenig Personaleinsatz einer solchen Initiative einen rechtlichen Rahmen zu geben.

Zum Schluss betonte Frau Fahle noch einmal, dass sich der Einsatz auf jeden Fall gelohnt habe, das Projekt aber natürlich noch ausbaufähig bleibe. Derzeit arbeite man daran, dass der Strom zum Betanken des Fahrzeugs aus erneuerbarer Energie gewonnen wird. Nur dann, so waren sich alle Beteiligten einig,  ist dieses Modell klima- und ressourcenfreundlich.

Ergänzt wurde die Informationsveranstaltung durch das Angebot der Projektpartner von „e-mobilität vorleben“, verschiedene Fahrzeuge Probe zu fahren und mit Personen zu fachsimpeln, die einen fossil angetriebenen Pkw in einen elektrisch angetriebenen umgebaut haben, u.a. das E-Auto der BBS Duderstadt, dessen Umbau im Rahmen eines Projekts gemeinsam mit Schülern vorgenommen wurde. Dr. Waltraud Bruch-Krumbein, LEB, konnte noch ein Bonbon verkünden: ein im Projekt entwickeltes Quiz rund um Elektromobilität und für die Gewinnerin oder den Gewinner ein Wochenende mit einem Nissan Leaf. Das Autohaus Toscana, Göttingen, hatte sich bereit erklärt, diesen Gewinn zur Verfügung zu stellen..

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